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Wie mächtig ist Typografie für den Mittelstand

Header zum Blogbeitrag Typografie für den Mittelstand mit Zitat von Spikermann

Egal ob es um ein international tätiges Unternehmen, dem mittelständischen Dienstleister um die Ecke, eine weltweit populäre Getränkemarke, oder den hausgemachten Apfelsaft vom lokalen Biobauern geht: Ein wesentlicher Bestandteil für die visuelle Darstellung eines Unternehmens, oder einer Marke, ist eine passende Schrift. Sie trägt zu einem unverwechselbarem Erscheinungsbild bei, lädt zusätzlich mit Emotionen auf und beeinflusst uns unterbewusst. Ein passender Font lässt sich mit mehreren Sinnen erleben. Sarah Hyndman, Grafik Designerin und Gründerin von Type Tasting, hat hierzu einen sehr treffenden Vergleich aufgestellt: Man selbst hüllt sich in schöne Kleider und das Wort hüllt sich eben in eine schöne Schrift. Die Kleidung kann ausgefallen oder schlicht sein, sie kann den Inhalt betonen, aber auch das genaue Gegenteil bewirken. Je nach Optik können in uns gezielt entsprechende Emotionen geweckt werden.

Kleider machen Leute – Typografie den Inhalt

Die richtige Typografie kann also ein unverwechselbares Markenzeichen sein und dadurch auch entsprechend mit den Markenwerten verbunden werden. Als Beispiel kann hier die Schriftsippe „Corporate A-S-E“ des deutschen Schriftgestalters Kurt Weidemann aufgeführt werden, welche er von 1985–1989 exklusiv als Hausschrift für ein namhaftes Unternehmen entwickelt hat.

Beispiel Pangramm in Corporate A-S-E (Mercedes) auf gelbem Hintergrund (Deutsche Post)

Auch wenn die Farbgebung (Post Gelb) und das Geschriebene (englisches Pangramm) nichts mit der eigentlichen Marke zu tun hat, so assoziiert man beim Betrachten dieses Satzes nicht nur Attribute wie edel oder luxuriös, sondern auch gleich den Automobilhersteller Mercedes Benz. Weidemann bezeichnet die Grundmerkmale der Sippe wie folgt: „zeitlose Ausgewogenheit, neutrale, maximale Lesbarkeit, ökonomische Laufweite, Druckfähigkeit auf unterschiedlichen Papiersorten in allen wichtigen Verfahren (bis zum Sieb-, Flexo- und Laserdruck), Lesequalität auf Bildschirmen, in der Leuchtwerbung und in unterschiedlichen Bildauflösungsverfahren und Einheitenplänen (Raster, Zeilen, dots-per-inch) der Publiziersysteme.“ Mittlerweile kann die Corporate A-S-E frei lizenziert werden.

Nicht jedes Unternehmen hat jedoch das Budget zur Verfügung, um einen Schriftgestalter mit der Entwicklung eines eigenen, maßgeschneiderten Corporate Font zu beauftragen. Bei der Wahl einer passenden Hausschrift müssen unterschiedliche Kriterien beachtet werden. Welche Attribute sollen transportiert werden? Wer ist die Zielgruppe? Werden mehrere Schriften benötigt? Wie viele Schriftschnitte sollen in der Kommunikation eingesetzt werden? Für Print und Web gibt es unterschiedliche Dateien einer Schrift, die bereit gestellt werden müssen. Manche Fonts gibt es allerdings nur für einen Bereich, oder hat nur einen einzigen Schriftschnitt. Webfonts sind meist an zusätzliche Bedingungen wie den Seitenaufrufen gebunden, welche dann je nach Traffic auf der Seite nochmals zu Buche schlagen können. Die einfachste Lösung: Man nutzt eine Systemschrift wie Arial oder Garamond. Ein kostenloser Standard, aber oft nicht aussagekräftig, oder passend zum Unternehmen, bzw. zur Marke. Um bei der Kleidung zu bleiben: Ein mausgrauer Anzug für jeden Anlass, der zwar seinen Zweck erfüllt, den aber auch Jedermann im Schrank hat.

Mehr Freiheit im digitalen Bereich – Variable Fonts

Zur Optimierung und dem kreativen Einsatz von Schrift im digitalen Bereich, haben 2016 Apple, Google, Microsoft und weitere Experten gemeinsam die „Variable Fonts“ entwickelt. Diese neue OpenType Form einer Schriftdatei lässt sich über mehrere Achsen ganz individuell und stufenlos u. a. in Schriftstärke (Light, Regular, Bold), -breite (Condensed, Extended), Neigung und der optischen Größe (x-Höhe) anpassen.

Beispiel der Möglichkeiten eines Variablen Fonts

Die Implementierung von Webfonts wird durch variable Schriften vereinfacht, da man nur noch eine einzelne Schriftdatei auf der Webseite einbinden muss und nicht mehr für jeden Schriftschnitt eine separate Datei. Dadurch können die Ladezeiten einer Seite optimiert werden, was eine Verbesserung der Kundenerfahrung bedeutet. Durch die stufenlosen Anpassungen sind auch Zwischengrößen von Schriftschnitten möglich, falls z. B. ein fetter Schriftschnitt zu dick, der nächst dünnere aber nicht fett genug erscheint. Für das Responsive Design bieten variable Fonts die Möglichkeit, die Schrift für jede Bildschirmauflösung optimal anzupassen. Gerade bei kleinen Screens laufen Überschriften oftmals zu weit, sodass diese mehrzeilig umbrechen müssen. Mit variablen Fonts kann hier mithilfe der Schriftbreite ein besseres Ergebnis mit weniger Umbrüchen erzielt werden, ohne die Schriftgröße beeinflussen zu müssen. Zukünftig besteht auch die Möglichkeit, dass der User durch entsprechende Einstellungen im Browser oder im Betriebssystem die Strichstärke selbstständig anpassen könnte, falls die Voreinstellung für Ihn die Lesbarkeit einschränkt.

Ebenso ermöglichen variable Fonts – je nachdem wie der Schriftgestalter die verschiedenen Achsen belegt hat – auch Animationseffekte, welche früher oft aufwendig in anderen Programmen erstellt werden mussten. Vom Schreibschrift-Effekt bis hin zu sich bewegenden Symbolen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Und das alles nur mit „Schrift“.

Beispiele für Animationen und Effekte mit Variable Fonts:
speckyboy.com/variable-font-examples/

Testseiten zum Ausprobieren:
www.axis-praxis.org/specimens/__DEFAULT__
http://very-able-fonts.com/

Im Jahr 2018 lag die Browser-Unterstützung deutschlandweit bereits bei 65 Prozent. Mittlerweile unterstützen alle großen Browser in der aktuellsten Version dieses Schriftformat. Mit Bedacht eingesetzte Spielereien und sinnvollen Preis- und Lizenzmodellen von Schriftgestalter und -anbieter, sind variable Schriften ein sehr spannendes Tool, um die Wertigkeit einer Webseite zu optimieren.

Als Marken- und Digitalagentur sind wir natürlich darauf bedacht, für Sie nicht nur einen gut aussehenden und passenden „Schrift-Anzug“ auszuwählen, sondern auch einen, der in allen Bereichen eine gute Figur macht. Ausgestattet mit allen Funktionen, die Sie in der visuellen Kommunikation benötigen – für Ihren professionellen Markenauftritt.

Wir freuen uns über jeden geteilten Blogbeitrag!

Nadine Reinartz
Designerin Print/Web